Es wird sich auszahlen, wenn Cottbus als Wissenschaftsstandort ausgebaut wird. Die Pläne für ein zweites DLR-Institut und zum Aufbau eines Uni-Klinikums sind keine versponnenen Ideen.

Es geht nämlich nicht darum, dass aus Baggerfahrern Hirn-Chirurgen und aus Gleis-Rückerbrigaden Intensivpflege-Teams werden. Altgediente Energieingenieure brauchen auch keine Angst zu haben, schon bald Raketen-Techniker sein zu müssen. Auch nach dem Ende des Kohleabbaus werden hier noch jahrzehntelang Fachleute für schwere Technik gebraucht. Einen Tagebau und ein Kraftwerk schließt man nicht zu wie ein Füllfederhalter-Fachgeschäft.
Die Lausitz braucht neue Betätigungsfelder. Klar, werden viele Wissenschafts- und Medizinkoryphäen anfangs nach Cottbus pendeln. Aber auch ihnen, ihrem wachsenden Mitarbeiterstamm und spätestens ihren Nachfolgern und deren Familien wird das auf Dauer nicht gefallen. Wohnen am Cottbuser Ostsee, am Rand des Spreewalds oder in der Lausitzer Provinz kann für sie zur attraktiven Alternative werden.
Was wäre schlimm daran, wenn statt Starkstrom-Elektrikern hier in 20 Jahren mehr Mediziner und Spitzenforscher, Laboranten, Medizintechniker, wissenschaftliche Gerätebauer und IT-Experten gebraucht würden? Auch die wollen wohnen, gehen Essen und kaufen ein. Und wenn die Infrastruktur stimmt, muss die Lausitz auch keine Lohndrücker-Region sein. Wer an seinem Cottbuser Institut Fachleute will, muss sie dann genauso bezahlen wie in Dresden oder in Berlin.
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