Lieberose – die verschlafene Kleinstadt – ist in diesem Jahr in aller Munde: Erst war es der Putin-Radweg, nun folgen die Taufe der „LiebeRose“ und eine Bürgerstiftung. Bürgermeisterin Petra Dreißig legt sich mächtig ins Zeug, um die Stadt bekannt zu machen, in der sie seit 13 Jahren lebt und seit sechs Jahren ein Café betreibt.
Hoch anrechnen muss man ihr, dass sie Ideen entwickelt und vor allem konsequent und beharrlich umsetzt. Die Wege, die sie beschreitet, sind geradlinig. Nicht immer folgen Dreißig dabei politisch gewohnten Pfaden und wagt manchen Vorstoß, ohne bis ins letzte Detail darüber nachzudenken, wie der Vorschlag ankommen könnte. Fettnäpfchen, wie sie sich mit dem Brief an Putin auftaten, nimmt sie dabei in Kauf.
Die Bilanz ihrer gerade mal eineinhalb Jahre als Bürgermeisterin kann sich sehen lassen. Die Stadt feierte gemeinsam einen Weihnachtmarkt und entzündete ein Licht der Liebe. Sie zwingt Stadtverordnete und Amt gemeinsam Lösungen für die Lieberoser zu erarbeiten und sie versucht für alle Vereine und Bürger ein offenes Ohr zu haben – wohl wissend, dass auch sie nicht überall sein kann. Getragen wird Dreißig dabei von dem unbedingten Glauben, dass nur im Miteinander der Bürger etwas Gemeinsames entstehen kann. Dreißig und Lieberose können Vorbild sein, denn es braucht mehr Bürgermeisterinnen und Bürgermeister, die andere begeistern und bereit sind, Entscheidungen zu treffen.