Ja, die Corona-Lage lässt es zu, dass in Brandenburg die Schulen wieder öffnen. Schön, dass auch die Landesregierung dies so sieht und diesmal frühzeitig – und nicht wie in den vergangenen Wochen auf den letzten Drücker – Eltern, Schüler und Lehrer darüber informiert.
Was aber eigentlich Grund zum Jubeln geben müsste, erweist sich bei genauerer Betrachtung mal wieder als Mogelpackung. Denn es dürfen zwar nach den Ferien alle Kinder zurück in die Schule – und das auch wieder jeden Tag. Und es werden auch die Begrenzungen aufgehoben, sodass wieder alle Schüler einer Klasse in einen Raum können.
Nur gilt das leider nicht für alle Lehrer. Ein Teil – die mit Vorerkrankungen und über 60 Jahren – gilt weiterhin als Risikogruppe und muss zuhause bleiben. Der Rest, der, der auch in den vergangenen Wochen oft unter Aufbietung aller Kräfte, den Schulbetrieb stemmen musste, darf auch nach den Ferien schauen, wie er ohne die nötigen Kollegen klarkommen kann.
Und zum Dank gibt es aus Potsdam noch ein wenig zusätzliche Bürokratie. „Die Lehrkräfte werden am Ende des Schuljahres 2019/2020 für jede Klasse bzw. jeden Kurs in der gymnasialen Oberstufe dokumentieren, welche wesentlichen Lerninhalte nicht oder nur eingeschränkt unterrichtet werden konnten“, schreibt das Ministerium im schönsten Beamtendeutsch.
Und um genügend Daten zum Auswerten zu bekommen, sollen zusätzlich Anfang des neuen Schuljahres „in den Kernfächern Deutsch, Mathematik, 1. Fremdsprache sowie den Fächern des naturwissenschaftlichen Lernbereichs“ Vergleichstests geschrieben werden, um die „Lernausgangslage“ der Schüler zu ermitteln.
Dass Ministerin Britta Ernst (SPD) zeitgleich verkündet, die Lehrer entlasten zu wollen, kann in deren Ohren nur noch wie Hohn klingen. Immerhin: Die Vergleichsarbeiten werden ausgesetzt.
Ach ja, neue Hygieneregeln soll es auch noch geben. Die liegen aber noch nicht vor. Man arbeite „mit Hochdruck“ daran, sagt die Ministerin. Vermutlich wird das Dokument irgendwann zu Beginn der Sommerferien fertig. Wie das praktisch umzusetzen ist, können sich die Lehrer dann in den Ferien überlegen. Natürlich nur die, die nicht zur Risikogruppe gehören.
Ach ja, die Schul-Curricula sollen auch noch angepasst werden, weil Wahlunterricht entfallen und nur mehr auf den Rahmenlehrplan fokussiert werden soll. Und einen Notfallplan für mögliche Corona-Rückfälle sollen die Schulen bitte auch noch vorbereiten.
Nicht, dass noch ein Lehrer auf den Gedanken kommen könnte, sich zu erholen.