Die Idee zum vierten Arm des Kreisverkehrs Kantstraße/Schlossstraße ist elf Jahre alt. Der Landesbetrieb Straßenwesen hatte sie 2009 bereits einmal durchgeplant. Seither taucht sie immer wieder auf. In den Träumen vom Vollsortimenter am Markt, von der Belebung der Innenstadt, von den Tischen und Stühlen der Restaurants und Cafés an lauen Sommerabend unterm Kandelaber.
Der anfängliche Charme zerplatzte bisher immer. Diesmal muss dafür die Gewoba herhalten. Roger Preußmann, der Gewoba-Geschäftsführer, tut sich schwer mit Öffentlichkeitsarbeit. Nur gute Nachrichten gehören in die Zeitung, sagt er, und möglichst erst dann, wenn ein Vorhaben glücklich abgeschlossen ist. So war es mit dem Abriss der Wohnblocks in der Jägerstraße. So war es mit dem neuen Bürgerbüro, was als Beispiel der guten Zusammenarbeit zwischen Stadtverwaltung und Unternehmen gefeiert wurde. So hätte es auch mit dem neuen „höherwertigen“ Wohnen auf der Jägerstraßen-Brache, die geschichtsbewusst Färberquartier genannt wird, werden können. Aber da träumten wieder einige vom vierten Kreiselarm.
Die Gewoba hat viele schwierige Jahre hinter sich. Leerstand, Rückbau, Chefwechsel. Die Stadt als Gesellschafterin musste finanziell einspringen. Aber nach und nach wurden die Probleme angefasst und gelöst. Jüngste Entlastung ist die Gründung der Spremberger Kino und Kultur GmbH. Jetzt, da hat Bürgermeisterin Herntier ganz recht, könnte die Gewoba endlich wieder neue Wohnungen bauen. Es gibt Fördertöpfe dafür. Die Innenstadt ist gefragt, wie Vermietungen in der Töpfer- und Kantstraße beweisen. Und dass eine zweispurige L 47 mit beidseitigen Geh- und Radwegen dem Färberquartier Platz nimmt und den höheren Wohnwert mindert, ist logisch. Darüber darf Preußmann doch wütend sein, Bauausschussmitglieder dürfen das deutlich sagen, die Verwaltung könnte den Konflikt darlegen. Aber nein, es sagt keiner so. Müde, gebrannte Kinder? Es bleibt das Gefühl: Eine Hand wäscht die andere.