Von der „smoking gun“, dem rauchenden Colt, sprechen die Amerikaner, wenn sie einen unwiderlegbaren Beweis für ein Verbrechen meinen. Genau diesen glauben die US-Demokraten nun in ihrem fast drei Jahre währenden Kampf gegen Donald Trump gefunden zu haben. Doch ob das Telefonat zwischen dem ukrainischen und dem US-Präsidenten tatsächlich das erhoffte qualmende Schießeisen ist, mit dem Trump aus dem Amt geblasen werden kann, ist offen.

Schon einmal wähnten sich seine Gegner dem Ziel nahe. Doch die ausführlichen Nachforschungen in der Russland-Affäre bescherten am Ende nicht dem US-Präsidenten, sondern dem untadeligen Sonderermittler Robert Mueller einen peinlichen Auftritt im Kongress. Die Demokraten sollten also gewarnt sein. Das heißt aber nicht, dass ihr Anlauf zur Amtsenthebung falsch ist. Denn eines haben die vergangenen 33 Monate zur Genüge gezeigt: Trump ist durch und durch ungeeignet für das mächtigste Amt der Welt. Er hat gelogen, gegen das Recht verstoßen, sich persönlich bereichert, die nationale Sicherheit gefährdet und das stolze Amerika der Lächerlichkeit preisgegeben. Es ist also zu einem Akt der Selbstachtung aller aufrechten Demokraten in Washington geworden, zumindest den Versuch zu wagen, diesem Albtraum per Impeachment ein vorzeitiges Ende zu bereiten.

Ob das gelingt, wird entscheidend davon abhängen, ob die Republikaner an ihrer Augen-zu-und-durch-Treue zu Trump festhalten. Dass die Grand Old Party, die Partei Abraham Lincolns, ihre Selbstachtung für den Machterhalt an den Nagel gehängt hat, ist vielleicht sogar der eigentliche Skandal. politik@lr-online.de