Die Zeit des ganz großen Streitens scheint vorbei. Jene Zeit, als beispielsweise während der jährlichen Gedenkfeier zu Wilhelm Piecks Geburtstag auch Transparente mit Aufschriften wie „Keinen Cent fürs Pieck-Monument“ ausgerollt wurden, mit denen Gubener gegen eine Sanierung des damals maroden Denkmals an der Klaus-Herrmann-Straße protestierten. Es sei nicht einzusehen, dass der oberste Vertreter eines diktatorischen Staates in der Neißestadt noch auf diese Weise geehrt werde. Das Monument gehöre schnellstmöglich abgerissen. 2014 war das – sechs Jahre sind also schon wieder vergangen.

Ja, das war eine spannende Zeit. Denkmalschützer, Historiker, Stadtverordnete und auch viele RUNDSCHAU-Leser diskutierten damals über das Monument und damit natürlich über die Person Wilhelm Pieck. War er ein Vorbild oder war ein Stalinist? Auf diese Frage könnte man, wenn man es sich ganz einfach machen will, die Debatte reduzieren. Sogar eine große historische Veranstaltung fand damals statt, um eine Antwort zu finden.

Inzwischen ist die Sanierung selbst schon wieder Geschichte. Die Wogen haben sich geglättet. Und das Monument? Nun ja, es sieht schon wieder ein Stück weit so aus, wie Denkmäler nach längerer Zeit halt aussehen. Jedenfalls nicht mehr so frisch wie unmittelbar nach der Sanierung.

Die Frage nach dem Vorbild und dem Stalinisten ist derweil immer noch nicht beantwortet. Vielleicht, weil man Wilhelm Pieck eben nicht nur schwarz oder weiß betrachten kann, weil es auch bei seiner Person irgendwo dazwischen Grautöne gibt.

Vielleicht kann ja das Jahr 2020 einen Beitrag dazu leisten, die Sicht auf Pieck noch ein Stück klarer werden zu lassen. Da stimmt es hoffnungsvoll, dass aktuell an einer neuen Biografie des ersten und einzigen Präsidenten der DDR gearbeitet wird. Eventuell könnte diese Arbeit ja in Guben präsentiert werden. Der 60. Todestag des Politikers, der im September begangen wird, wäre ein würdiger Anlass.