Die Debatte um eine im Nachgang zustande gebrachte Verurteilung von „Ende Gelände“ in Weißwasser wirkt aus vielerlei Gründen merkwürdig und ja, auch ein wenig „scheinheilig“ an. Nicht nur, dass die Stadträte sich hätten schon in der Novembersitzung äußern können – dazu bedarf es nämlich keines Antrages – sondern die Nennung einer expliziten Aktionsgruppe schließt diese nicht nur aus dem Diskurs aus, sondern vergisst, der Argumentation von Bernd Frommelt (KJiK) folgend, alle anderen radikalen Gruppierungen. Ich kann mich persönlich mit der Haltung von Hans-Eckhard Rudoba (Linke) nur anschließen. Der Gesetzgeber regelt bereits, wie mit extremistischen Gruppierungen umgegangen wird. Insofern ist die von der AfD angestoßene Debatte im Januar 2020 – zwei Monate nach den Aktionen der Umweltaktivisten – eigentlich überflüssig. Ich denke, alle sind sich einig, dass in Gewalt und Extremismus nichts in Deutschland zu suchen haben. Auch in Weißwasser nicht. Merkwürdig nur, als im Jahr 2016 bekannt wurde, dass sich die laut Sächsischen Verfassungsschutz rechtsextremistische Gruppierung „Brigade 8“, die in Weißwasser Konzerte und Treffen veranstaltete, der Stadtrat sich in eisiges Schweigen hüllte. Um es mit Kathrin Jungs (SPD) Worten zu sagen: Das wäre auch ein konkreter Anlass gewesen, sich zu positionieren. Stattdessen stimmt man stillschweigend dem Vorschlag der Stadtverwaltung zu, das ehemalige Japanereck in Weißwasser Süd zu kaufen und anschließend abzureißen. Das Gebäude steht im Übrigen immer noch. Und gegenüber finden noch immer rechtsextreme Konzerte statt. Vielleicht wird dazu auch ein Antrag gestellt – und vielleicht ja auch von der AfD.