Zu den zentralen Aufgaben eines Bürgermeisters gehört das Abarbeiten von Anfragen aller Art – von Abgeordneten, Bürgern, anderen Verwaltungen, Institutionen und vielen Akteuren mehr, möglichst zeitnah, meist unter Einhaltung von Fristen. Das erfordert Folgendes: Ein Bürgermeister muss Strukturen schaffen und Abläufe organisieren, damit solche Dinge abgearbeitet werden können. Nicht mehr und nicht weniger fordern Lübbener Stadtverordnete seit langem. Nun hat es einer von ihnen auf einen – hoffentlich unüberhörbaren – Punkt gebracht, völlig zu Recht.
Dieses Schaffen von Strukturen zur Abarbeitung erfordert Fleiß und ist sicher wenig glamourös. Doch es ist die Basis von Verwaltungshandwerk. Mehr noch: Es ist ein zentraler Punkt von Führung. Wie gut das gelingt, gibt Auskunft über Führungsqualität und -stärke.
Lübbens Bürgermeister Lars Kolan (SPD) hatte fünf Jahre Zeit, solche Strukturen in der Stadtverwaltung verlässlich zu gestalten. Das Ergebnis – so zeigt es die aktuelle Debatte – ist unbefriedigend. Sie macht Schwächen in der Führung des Hauptverwaltungsbeamten unübersehbar.
Bedenklich für die Stadt ist das deshalb, weil große Aufgaben anstehen, die das strukturierte Abarbeiten einzelner Schritte in der Verwaltung zwingend erfordern. Sei es der Ausbau der Kitaplätze oder Unterstützung in Coronazeiten, sei es die Ansiedlung von künftigen Einwohnern oder Firmen – der Wandel in der erweiterten Hauptstadtregion ist jetzt. Wer in Lübben keine Antworten bekommt, wird sich woanders hinwenden – und dann werden von diesem Wandel auch andere verstärkt profitieren.

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