Keine Gnade für Wildschweine. Bei der Jagd auf sie sind in Deutschland nahezu alle Grenzen gefallen. Zu Hunderttausenden sind sie zur Strecke gebracht worden. Es scheint, als hätte man einen Sündenbock für die brenzlige Lage gefunden.

Aber das Wildschwein ist nicht schuld, es ist potenzieller Überträger der Seuche. Die Massentötung hält die Pest nicht auf. Weniger Schweine heißt, dass weniger Tiere angesteckt werden können, weniger Kadaver gesucht und entsorgt werden müssen. Auch Bauern, die mehr Abschuss fordern, wissen, dass die übergroße Wildschweinpopulation – auch ohne „Pest“ – gravierend hätte reduziert werden müssen. Weil die Tiere, die sich dank riesiger Maisfelder und warmer Winter prächtig vermehren, immer Schäden anrichten.

In Tschechien und Belgien geht man davon aus, dass Menschen das Virus eingeschleppt haben. Eine belastete Wurststulle achtlos weggeworfen und von einem Wildschwein gefressen – schon ist der wirtschaftliche Gau da. Beim ersten Nachweis würde der Schweinefleisch-Export in Länder außerhalb der EU zusammenbrechen. Einziges Mittel gegen die Seuche ist „Hygiene hoch drei“ – und selbst das ist nicht sicher.
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