Mecklenburg-Vorpommern startet als erstes Land den großen Feldversuch. Oben im Norden, wo als erstes in Deutschland die Ferien enden, wird sich als erstes zeigen, ob die Schulen tatsächlich zur Normalität zurück kehren können.
Das wünschen sich alle. Unglaublich, dass ein Wort wie Regelbetrieb so viel Sehnsucht auslösen kann. Schüler haben genug vom Rumsitzen, Eltern wollen wieder in Ruhe arbeiten, Lehrer wollen ihren Beruf in gewohnter Weise wieder aufnehmen. Und die Politik will alle irgendwie zufriedenstellen. Alles verständlich, alles gut gemeint. Aber die Rückkehr zum Regelbetrieb kann gefährlich werden. Mehr noch: Es können Menschen sterben.
Was passiert, wenn zu viele Leute sich sicher fühlen vor dem Coronavirus, haben die letzten Tage gezeigt. Neuerdings zeigt die Infektionskurve wieder steil nach oben. Was wird, wenn die Schulen wieder flächendeckend schließen müssen, weil man anders der Pandemie nicht Herr wird? Zum vollmundig propagierten Regelbetrieb gibt es weder in Dresden noch in Potsdam einen überzeugenden Plan B.
Dabei hat das letzte Halbjahr gezeigt, wie bitter nötig es für alle Beteiligten ist, sich an ein flexibles Lernen zu gewöhnen. Einige Schulen haben vorbildlich gezeigt, wie es funktioniert. Doch nun spricht sich Sachsens Kultusminister sogar ausdrücklich gegen Wechselmodelle zwischen Homeschooling und begrenzten Schulstunden aus. Von wegen: bringt nichts. So kann man in Zeiten von Corona nicht planen. christine.keilholz@lr-online.de