Der erste Job in einer fremden Stadt, sehr weit weg von zuhause. Hochhausgewimmel, ein riesiges Großraumbüro und Kollegen, die all das schon wussten, was ich erst noch lernen musste. Harter Alltag, die Anforderungen waren happig, das Selbstvertrauen bröckelte schon nach wenigen Tagen. „Wie ist das bloß jemals zu schaffen?“ Eine ältere Kollegin gab mir den unvergessenen Tipp: „Heulen hilft, aber lass es nie jemanden sehen.“

Wollte ich das? Mein Geld mit Arbeit verdienen, die nur mit Tränen und Zähne zusammenbeißen zu bewältigen war? Ja, wollte ich, aufgeben war keine Option. Denn zu meinem großen Glück gab es ja auch Dixie. Eine blonde, äußerst gutmütige Labrador-Dame, die sich auch durch den quirligsten Bürotrubel nicht aus der Ruhe bringen ließ. Telefone konnten Sturm klingeln, Faxe rattern, Drucker versagen – Dixie lag Buddha-gleich auf ihrer Decke unter Herrchens Schreibtisch. Von dort rührte sie sich niemals weg, doch sie durfte Besuch empfangen. Zwar nur von Menschen, mit denen sich auch ihr Herrchen gut verstand, doch das war bei uns zum Glück kein Problem. Dixie also. Wann immer ich kurz vor dem Nervenzusammenbruch stand, fand ich Trost bei der tiefenentspannten Dame. Bis heute sehe ich ihren Augenaufschlag, höre das Seufzen, wenn sie mich kommen sah. „Na, schon wieder Stress?“ schien sie zu fragen. Seufzte vielleicht noch einmal und schob dann ihren unfassbar samtigen Kopf unter meine Hand. Herzrasen? Nervenflattern? Völlig überflüssig, wenn man gerade einen Hund streichelt. An manchen Tagen war Dixie besonders großzügig mit ihrer Zuneigung, dann rollte sie sich auf den Rücken und grunzte vor Wonne, sobald ich ihr den Bauch gekrault habe. Ein paar Minuten, schon reichte die Kraft wieder für den Rest des Arbeitstages.

In späteren Jahren, in anderen Firmen und mit neuen Kollegen, hat es nie wieder einen Bürohund gegeben. Einen eigenen Fiffi habe ich mir nie angeschafft, ich hätte viel zu wenig Zeit für ihn. Und ich kann jeden Menschen verstehen, der mit Hunden nichts anfangen kann und sie nicht in seiner Nähe dulden möchte. Trotzdem: Dann und wann fehlt mir Dixie bis heute.