Nicht wenige Grabstellen auf dem Friedhof in Groß Lübbenau sehen derzeit aus wie verbarrikadiert. Gerade die Gräber mit dem schönsten und farbenprächtigsten Blumenschmuck zu Ehren der Bestatteten sind durch provisorische Schutzmaßnahmen verunstaltet. Klar, noch schlimmer wäre wahrscheinlich der Anblick kahl gefressener Grabstellen. So oder so verliert der Friedhof aber viel von seiner Würde und ist kein geschützter Ort mehr für Trauer und Gedenken. Die Rehe können nichts dafür, Rücksicht auf die Bestattungskultur der Menschen darf man von ihnen bei der Nahrungssuche nicht erwarten. Was zu tun ist, liegt auf der Hand: Die Tiere müssen wirksam ausgegrenzt, dafür ein stabiler und ausreichend hoher Zaun gesetzt werden. Wenn sich schon der Hintergrundlärm nicht aussperren lässt, der aus Richtung Autobahn kommt. Und auch sonst hat Groß Lübbenau Standortnachteile aufgrund der Lage direkt am Tagebaurekultivierungsgebiet. Die LMBV lässt flächendeckende Sprengverdichtungen durchführen, die im Dorf wie kleine Erdbeben empfunden werden. Was auch stimmt: Die Stadt Lübbenau hat gerade jetzt mit den Folgen der Coronavirus-Pandemie zu kämpfen und muss gut wirtschaften. Auf der Projekte-Prioritätenliste hat ein Friedhofszaun für Groß Lübbenau aber einen Platz ziemlich weit oben verdient.