Eine Aufmerksamkeit wie nie zuvor hat die Pflege in diesem Jahr bekommen. Zwar war schon vorher bekannt, dass hier ein System ins Wanken gerät, wenn nicht schnell mehr Arbeitskräfte anheuern. Aber es brauchte Corona, damit auch dem Letzten klar wird, wie wichtig diese Branche geworden ist.
Während des Lockdowns waren Altenpflegerinnen die einzigen, die Zugang zu Menschen in Pflegeheimen hatten. Als Corona-Heldinnen feierte man sie. Von besserer Bezahlung war die Rede - oder wenigstens von einem Pflegebonus zum Dankeschön für die Arbeit in der Krise. Mehr Wertschätzung steht den Pflegekräften allemal zu.

Pflege ist systemrelevant

Pflege ist systemrelevant, auch wirtschaftlich. Für die rasend schnell alternde Lausitz ist die Pflege schon jetzt ein zentraler Beschäftigungssektor - in Zukunft wird er noch wichtiger. Damit verrutscht auch der Schwerpunkt des Lausitzer Arbeitsmarkts. Hier galten bislang Industriejobs als die harte Währung für Wohlstand und Fortschritt.
Doch die Realität zeigt: Die Masse an Stellen entsteht nicht mehr in Fabriken - sondern in Krankenhäusern und Pflegeheimen. Dass das bisher allgemein wenig im Blickfeld war, hat einen Grund: Es geht hier um eine Sorgearbeit, die oft Frauen übernehmen. Diese Sicht ist sehr männlich. Und leider falsch.
Eine Region, der die jungen Frauen in Scharen abwandern, kann es sich nicht leisten, solche Berufsgruppen als nachrangig zu betrachten. Denn ohne das Wachstum, das hier im Gange ist, wird kein Strukturwandel zu stemmen sein.