Mit seiner Widerspruchslösung ist Spahn krachend gescheitert. Gut so. Wenn der Staat über die Organe der Bürger entscheidet, ist das eine Anmaßung. Eine Spende ist ein freiwilliges Geben. Schweigen bedeutet nicht gleich Einverständnis.

Die nun beschlossene Zustimmungslösung bewahrt das Selbstbestimmungsrecht. Sicher der bessere Weg. Zwar baut der Staat weiter Druck auf. Aber das ist okay. Die Haltung zur Organspende soll beim Beantragen eines Ausweises abgefragt und die Entscheidung in ein Online-Register eingetragen werden. So herrscht im Fall der Fälle Klarheit.

Auch Hausärzte sind involviert. Sie sollen Patienten beraten. Dafür bekommen sie Geld und Infomaterial. Fraglich, ob die Zeit im oft stressigen Praxisalltag reicht. Denn ein kritisches Gespräch zum Hirntod könnte dauern. Selbst Wissenschaftler streiten, wann jemand tot ist.

Zwar steht auf dem Spenderausweis, dass die Organe „nach dem Tod“ entnommen werden. Das ist aber falsch und kommt einer Übertölpelung gleich. Denn Herz, Leber, Lunge und Nieren werden nach dem Hirntod entnommen. Heißt, der Patient lebt noch. Stirbt das Hirn ab, hat der Sterbeprozess zwar begonnen. Biologisch ist ein Hirntoter aber noch keine Leiche.

Bei der Organentnahme wird das warme Blut durch kalte Konservierungslösungen ersetzt, da es sonst verklumpen und die Organe schädigen würde. Irgendwann bleibt das Herz stehen... Die entnommenen Organe sind lebensrettende Geschenke. Diese noble, große Geste darf man in Grazie annehmen, aber nie und nimmer fordern.