Die USA bereiten das größte Militärmanöver seit 25 Jahren in Osteuropa vor. Eine klare Machtdemonstration gegenüber Russland. Und was macht Deutschland? Schaut zu und spielt den willigen Dienstleister.

Die Frage, wer nun wen in Osteuropa zuerst bedroht hat oder stärker provoziert – Russland die Nato oder die USA Russland – ist dabei wie das Rätsel um Henne und Ei.

Viel spannender ist die Frage, warum Europa hier nicht selbst eine Rolle spielt. Statt Spielball der Interesse zu sein, sollte eine politisch geschlossene Europäische Union doch selbst für Sicherheit und Frieden auf dem eigenen Kontinent sorgen können.

Nur genau das ist eben das Problem: Europa ist zerstrittener denn je. Echte Europäer, die für den Zusammenhalt kämpfen, der uns die längste Friedensepoche unserer Geschichte beschert hat, sucht man leider vergebens.

Versuche, Europas bröckelnde Einheit nun mit gemeinsamen Armeen zu kitten, sind dabei der falsche Weg. Wer Frieden in Europa will, muss allen Europäern die Hand reichen. Wenn alle von Spanien bis Lettland gemeinsam an einem Strang ziehen würden, könnte uns weder Putin noch Trump drohen. Niemand in Polen müsste in Washington um weitere US-Truppen betteln. Und niemand müsste endlose Panzerkolonnen durch die Lausitz schicken.

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