Die Brandenburgische Technische Universität überlegt, drei technische Studiengänge in Senftenberg zu schließen. Dass die Wirtschaft da teils heftig reagiert, ist nachvollziehbar. Aber hat die BTU überhaupt eine andere Wahl?

Die Zahl der Studierenden in den auf der Kippe stehenden Fächern sinkt dramatisch. Nun soll der Campus in Senftenberg ein anderes, schärferes Profil erhalten, das sich rund um das Thema Gesundheit dreht. Neue Studiengänge wie Pharmazie und die Hebammenwissenschaft sollen bald eingeführt werden. Das ist eine mutige Idee. Allerdings steht sie im krassen Widerspruch zu dem viel beklagten Fachkräftemangel und dem Strukturwandel in der Lausitz.

Die Region soll weiter Energie- und Industriestandort bleiben – und die BTU schließt die technischen und praxisnäheren Studiengänge in Senftenberg. Sollte dieser Plan wirklich umgesetzt werden, würde in Senftenberg eine Tradition ihr Ende finden. Die Bergingenieurschule war eine Institution in der Lausitz. Fakt ist aber auch, dass seit der Hochschul-Fusion 2013 an beiden Standorten Parallelstrukturen bestehen, die zu hinterfragen sind.

Ist es wirklich sinnvoll, dass Maschinenbau, Wirtschaftsingenieurwesen und Elektrotechnik einerseits universitär in Cottbus und andererseits fachhochschulisch in Senftenberg angeboten werden? Beide Standorte stehen so schließlich in Konkurrenz zueinander und nehmen sich gegenseitig die Studenten weg. Das sagen die einen. Die anderen glauben, dass beide Angebote ihre Existenzberechtigung haben, die Vielfalt wichtig ist.

Der nächste Hochschulentwicklungsplan 2021 bis 2025 ist in Arbeit. In ihm werden hoffentlich die richtigen Antworten stehen.

jan.augustin@lr-online.de