Alt ist nicht schlecht. Die Gefahr, beide Begriffe zu vermengen und ein hohes Bevölkerungsalter in einer Stadt grundsätzlich als schlecht anzusehen, besteht und ist auch nachvollziehbar.
Wer das Rentenalter erreicht hat, kann sich zwar ohne Weiteres etwa im Ehrenamt noch für die Stadt und die Stadtgesellschaft einsetzen, eine planbare Größe für die Kommune ist der Rentenempfänger aber vielmehr auf der Ausgaben-, weniger auf der Einnahmenseite.
Guben ist eine alte Stadt, was ihre Bevölkerung angeht. Das hat mit den Entwicklungen nach der Wende zu tun, vielleicht auch mit der nicht in jeder Hinsicht idealen Infrastruktur – beides hängt voneinander ab. Bis Guben jünger wird, wird viel Wasser die Neiße herabfließen.
Wenn Guben es schafft, sich zu verjüngen, dann im Ergebnis einer Generationenaufgabe, nicht morgen, nicht übermorgen, auch nicht in zehn Jahren. Was Guben aber offenbar schon geschafft hat, ist sich attraktiv zu machen. Anders lassen sich die deutlich positiven Differenzen zwischen Zu- und Wegzügen nicht erklären. Es scheint, als blieben viele in Guben, wenn sie einmal dort angekommen sind.
Klar, auch das kann mit der Altersstruktur zusammenhängen, aber nicht nur. Ein Aspekt im Kampf gegen die Überalterung ist, sich als Stadt attraktiv zu machen. Das fällt einigen Städten aufgrund ihrer Lage, ihrer Bedeutung, ihrer Stadtgesellschaft sicher einfacher als anderen. Dass Gubens es ganz offenbar schafft, Menschen anzulocken, ist jedenfalls ein sehr gutes Zeichen und ein wichtiger Teil der Zukunftsbewältigung in einer Stadt, die sich seit Jahren zwar neu finden muss, sich aber nie so richtig verloren gegeben hat.
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