Immer und gerade wenn es um viel Geld geht, wollen alle von Anfang an mitreden – gibt es Streit. Logisch: Schließlich geht es dabei schon mal um eine strategisch günstige Ausgangsposition, um später vom Geldsegen mit zu profitieren. Das hört sich egoistisch und sogar ein bisschen ur-kapitalistisch an, ist es aber gar nicht.

Ein wirtschaftlicher Umbruch, wie er der Lausitz in den nächsten zwei Jahrzehnten bevorstehen soll, der wird viele alte Strukturen niederreißen, aber der Wandel wird auch viel Neues bringen, was wir uns heute noch nicht ausmalen. Nicht alles wird gelingen, anderes klappt vielleicht viel besser als gedacht. Fakt ist: Die Lausitz des Jahres 2038 wird anders aussehen als die Lausitz von heute – bedenklich wäre auch, wenn nicht.

Es war grundsätzlich richtig, mit Argumenten konstruktiv darum zu streiten, welche die beste Führungsstruktur für den Umbruch in der Lausitz ist. Aber der Streit hat zu lange gedauert. Denn jetzt war es allerhöchste Zeit, Entscheidungen in der Strukturdebatte zu treffen. In den kommenden Wochen müssen die Lausitzer aus Brandenburg und Sachsen mit vereinter Kraft in Berlin am gleichen Strang in die gleiche Richtung ziehen, damit sie beim Finale der Kohlegesetzgebung von – gerade auch corona-geschwächten – aber immer noch sehr mächtigen Interessengruppen aus anderen Landesteilen und Industriezweigen nicht über den Tisch gezogen werden. Eine durchschaubare Organisations- und Verteilstruktur im Revier ist die Voraussetzung dafür, dass der Umbau der Lausitz dann endlich richtig beginnen kann. jan.siegel@lr-online.de