Sachsens Ministerpräsident hat einen Besuch in St.Petersburg gemacht. Er hat ein Ende der Wirtschaftssanktionen gegen Russland gefordert. Wichtiger noch: Er ließ sich mit Präsident Wladimir Putin fotografieren. Zu sehen sind zwei Männer, die sich anscheinend einig sind. Die Botschaft ist klar. Ein sächsischer Provinzfürst auf Augenhöhe mit dem Herrscher einer Weltmacht. Das soll zu Hause Eindruck machen. Für Michael Kretschmer ist das Bild zwei Monate vor der Landtagswahl Gold wert. Für Putin noch mehr.

Erstens, weil die Wirtschaftssanktionen ihn und seine Regierung schmerzen. Zweitens kann Russlands starker Mann zeigen, wie brüchig die westliche Front ist, die als Reaktion auf seinen Angriffskrieg in der Ukraine sein Land wirtschaftlich isoliert hat. Was den Sinn der Sanktionen betrifft, geht ein Bruch durch Deutschland. Die Länder des Ostens sind seit jeher dagegen, denn sie brauchen die Aufträge aus Russland für ihre Firmen, die sich gerade erst auf dem internationalen Markt positioniert haben.

Dennoch, die vielen Freunde, die Putin gerade in Ostdeutschland hat, vergessen gern, dass Putin ein autoritärer Herrscher ist, der die Souveränität der Nachbarstaaten nicht achtet, Kriege anzettelt und demokratische Wahlen mit Social-Media-Propaganda zu kippen trachtet. Die Sanktionen, deren Ende Kretschmer jetzt fordert, sind nicht einfach eine politische Laune aus Berlin und Brüssel gegen jede wirtschaftliche Vernunft. Sie sind eine notwendige Reaktion auf einen Angriffskrieg. Der wirtschaftliche Ausschluss Russlands, auf den sich der Westen 2014 einigte, richtet sich gegen ein überkommenes Weltmachtsgehabe, in dessen Glanz sich all jene gern sonnen, die Putin hofieren. Michael Kretschmer hat sich damit keinen Gefallen getan. politik@lr-online.de