Corona treibt derzeit Grundsatzdiskussionen in nahezu allen Arbeits- und Lebensbereichen auf die Spitze. Angesichts der schweren Krankheitsverläufe und Verstorbenen ist Abwägen schwer. Aber es verwundert doch ein wenig, dass sich der Stadtverordnetenvorsteher Andreas Bränzel brüskiert fühlt, wenn Bürgermeisterin Christine Herntier die verkaufsoffenen Sonntage absagt – ohne ihn zu fragen.
Dass in den Stadtverordnetenversammlungen selbst am Sitzplatz der Mund-Nase-Schutz getragen wird, war eine dringende Forderung des Stadtverordnetenvorstehers Bränzel gewesen. Nach Erfahrungen mit Corona im Bekannten- und Freundeskreis. Bis auf die Mitglieder der AfD-Fraktion sehen das auch alle ein.

Cottbus/Hoyerswerda.

Während Herntier bei der Absage der offenen Adventssonntage einer Notverordnung und einem Rundschreiben des Gesundheitsministeriums folgt und angesichts weiter steigender Zahlen Bürger, darunter auch Geschäftsinhaber und Verkäufer, schützen will, wirft ihr der Stadtverordnete Benny Stobinski Kompetenzüberschreitung vor.
Es geht ums Prinzip, ja. Und tatsächlich bleibt unklar, warum Herntier Bränzel nicht einfach kurz kontaktiert hat. In anderen Fällen hat das funktioniert. Hätte es etwas an der Entscheidung geändert? Bei vielen Ladeninhabern in Spremberg geht es um die Existenz. So mancher Geschäftsinhaber hatte groß eingekauft, um seinen Kunden etwas Weihnachtliches bieten zu können. Aber wer an den ersten Adventssamstagen Sprembergs Innenstadt besucht hat, sah auch, wie schnell sich Gruppen bilden. Und die Kirchen fühlen sich gar nicht mehr so wohl mit ihrer Sonderstellung.
Ganz sicher hat der Streit bewirkt, dass die Bürgermeisterin den Stadtverordnetenvorsteher wieder öfter kontaktiert. Aber war für dieses Ergebnis eine solche Debatte angemessen?
annett.igel-allzeit@lr-online.de