Der CDU-Mann Lars-Jörn Zimmer aus Sachsen-Anhalt ist sauer. „Kommt raus aus Eurem Elfenbeinturm, seht Euch an, wie es wirklich aussieht“, ätzt er in die Kamera, gerichtet an seine Parteifreunde „in Berlin und München“. Man könne „keine 25 Prozent der Wähler vor den Kopf stoßen“, damit meinte er die Wähler der AfD.

Seit der Ministerpräsidentenwahl in Thüringen liegt die Bruchlinie innerhalb der CDU offen: Sie verläuft an der alten innerdeutschen Grenze. Westlich davon will man als Mitte-Partei nichts mit den Rändern links oder rechts zu tun haben. Im Osten ist das nicht mehr so klar. Hier finden nicht wenige CDU-Mitglieder Kooperationen mit den Rechtsnationalen von der AfD in Ordnung. Das ist naiv und selbstzerstörerisch.

Nach dem vergangenen Mittwoch erlebte Deutschlands letzte Volkspartei einen Aufstand der Ost-Landesverbände. In Sachsen-Anhalt meldeten sich die zu Wort, die schon länger mit der AfD kuscheln. In Brandenburg gratulierte die Landesspitze dem neuen Erfurter Ministerpräsidenten erst vorsichtig, um einen Tag später zurück zu rudern. In Thüringen ist nun ein Ost-Beauftragter entlassen, der voll Überschwang seinen Glückwunsch zum Erfurter Coup bekundet hatte. Die Bundeskanzlerin feuerte Christian Hirte kurzerhand. Daran tat sie gut.

Der Coup von Erfurt war einigen in der CDU die Chance, neue Moden einzuführen - mit Verweis auf den Osten, der eben anders tickt. Dieser Versuch musste scheitern. Die Christdemokraten im Osten ziehen keine klare Grenze zwischen konservativ und rechts. Sie sollten es schleunigst lernen.