Der Vorwurf, die Stadtverwaltung habe die Kindervereinigung als freien Träger der Kita Gute Laune bei ihrer Suche nach Räumen nicht ausreichend unterstützt, wiegt schwer. Deshalb war die Aussprache in der Stadtverordnetenversammlung richtig und wichtig. Mehr noch: Sie hat mindestens einen weiteren Anhaltspunkt ergeben, der den Vorwurf erhärtet.
Die Aussage der zuständigen Fachbereichsleiterin, die Woche sei wegen des Brückentages zu kurz gewesen, um sich um Turnhallen als Ausweichquartier zu kümmern, muss in den Ohren derjenigen, die wegen der Pandemie noch viel mehr zu tun hatten als sonst und oben drauf die Kinderbetreuung schultern mussten, wie Hohn klingen.
Lübben erlebt somit innerhalb von einem halben Jahr den zweiten Kita-Skandal. Im November war klargeworden, dass der millionenschwere neue Hortbau an der Jahn-Grundschule wegen nicht bestellter Möbel wochenlang nicht nutzbar war.
Nun gibt es in der Lübbener Stadtverwaltung definitiv engagierte und fähige Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen. Die genannten Fehlleistungen betreffen denselben Fachbereich - doch das ist ausgerechnet der, der für die Zukunft der Stadt besonders wichtig ist. Denn eine gut funktionierende und ausreichende Kinderbetreuung ist erstens schlicht Daseinsfürsorge und somit Kernaufgabe einer Stadtverwaltung, macht zweitens aber auch eine Stadt attraktiv für Zuzügler.
Diesem Punkt muss sich Bürgermeister Lars Kolan stellen. Am Ende ist er dafür verantwortlich, dass die Verwaltung dieser Pflicht nachkommt. Wenn ein Landkreis eine Kommune auffordern muss, sich um ihre eigenen Kinder zu kümmern, erst recht in einer Krisensituation, sollte das doch sehr nachdenklich stimmen – egal, in welcher Trägerschaft die Kita ist.