Drei Monate nach der Landtagswahl hat Sachsen eine neue Koalition. Sie soll nicht „Kenia“ heißen, wie sie sonst überall der Farben wegen genannt wird. Die sächsische Variante heißt „Sachsen-Koalition“. Drin stecken aber die gleichen, nämlich CDU, Grüne und SPD. Es sind genau die richtigen, um die drängenden Fragen der Zeit zu beantworten.

Das neue Dreierbündnis zeigt, wie sich Gesellschaft ausdifferenziert. Es bildet einen höchst spannenden Querschnitt an Prioritäten ab. An den Vorhaben, die die Parteispitzen gestern in Dresden präsentierten, lässt sich aber doch ein halbwegs deutliches Meinungsbild ablesen. Demnach will die Mehrheit der Sachsen mehr Klimaschutz, mehr Gleichstellung, eine transparentere Vergabe von öffentlichen Aufträgen und einen Nahverkehr, der nicht länger an jeder Milchkanne einen anderen Tarif verlangt.

In Sachsen sind die Unterschiede zwischen den drei Parteien am größten. Hier liegt die Braunkohle-Klima-Front. Hier hat die Auseinandersetzung um Migration und Identität in den letzten Jahren großen Flurschaden hinterlassen. Hier gibt es einen wirtschaftlichen Aufschwung zu verteidigen gegen Missmut und Bevölkerungsschwund. Fünf Jahre haben die Koalitionäre nun Zeit, diese Prioritäten abzumischen.

In drei Bundesländern regieren nun schwarz-rot-grüne Bündnisse. In Sachsen-Anhalt macht Kenia seit 2016 unaufgeregte Sachpolitik. In Brandenburg hat hat es sich innerhalb von zwei Wochen immerhin noch nicht zerstritten.