Diese Entscheidung wird nicht einfach werden für die Vetschauer Verwaltung. Im Raum steht ein denkbarer Kauf der ehemaligen Raiffeisenbank durch die Stadt. Dann würde der Bereich belebt werden, das Objekt stünde nicht mehr leer und die Rathausmitarbeiter würden näher am Bürger in der Innenstadt ihre Dienste anbieten.
Klingt erstmal gut. Gleichzeitig würden sie aus dem bisherigen Verwaltungssitz, dem Stadtschloss, ausziehen. Doch damit ginge ein Alleinstellungsmerkmal von Vetschau verloren: eine Stadtverwaltung in einem Schloss sieht man landesweit kaum.
Eine Nachnutzung des Schlosses oder dessen Verkauf wiederum sind völlig offen. Eigentlich soll das Objekt in städtischer Hand bleiben. Einen Leerstand werde es laut Bürgermeister nicht geben. Ideen gibt es sicher viele: Warum nicht durch eine Vermietung beispielsweise ein Hotel mit Gastronomiebetrieb im Schloss einrichten wie beispielsweise in Groß Beuchow oder in Fürstlich-Drehna? Das Thema Heiraten ist zwar eine Option, sie wird aber nicht ausreichen, um das Haus effektiv auszulasten. Es sei denn, die Hochzeitsgesellschaft kann dort speisen und übernachten.
Der Erwerb des Bankgebäudes würde wohl teurer werden als notwendige Maßnahmen im Schloss umzusetzen wie die Herstellung der Barrierefreiheit und die Umsetzung des Brandschutzkonzeptes. Hinzu kommt, dass die finanziellen Auswirkungen der Corona-Krise noch unklar sind. Fördermittel für die Nutzung des Schlosses als Stadtverwaltung wurden akquiriert, die es dann wohl zurückzuzahlen gilt, was wiederum den Haushalt belastet und mögliche andere Investitionen einschränkt. Stattdessen sollte man auch erwägen, einen möglichen anderen Käufer der ehemaligen Raiffeisenbank bei einer sinnvollen Nutzung des Gebäudes zu unterstützen.
Bevor die Stadt ihr Vorkaufsrecht nutzt und eine Entscheidung im Spätsommer fällt, sollten in jedem Fall auch die Bürger beteiligt werden. Unabhängig von Fraktionszwang und Haushaltsliquidität.