Energie Cottbus geht ein sehr hohes Risiko damit ein, auf die Dienste der beiden erfahrenen Profis Robert Müller und Dimitar Rangelov zu verzichten. Sicher standen die Routiniers in der Gehaltsrangliste ganz oben. Und gewiss muss der Verein im zweiten Regionalliga-Jahr kleinere Brötchen backen, zumal es keine Einnahmen aus dem DFB-Pokal sowie absehbare Erlöse aus Spielerverkäufen gibt. Dennoch: War da keine Einigung möglich? Beide Spieler wollten weiter bei Energie bleiben, bei beiden lehnten Sportchef Sebastian König und Trainer Sebastian Abt eine Vertragsverlängerung ab.

Besonders bei Rangelov sorgt das nun für Diskussionen unter den Fans. Fakt ist: Es gehört sehr viel Mut und Überzeugung dazu, auf den Kapitän zu verzichten. Die Frage ist nämlich: Wann bekommt der FCE je wieder die Chance, einen Spieler von seinem Format zu verpflichten? Der Ex-Nationalspieler hätte wohl auch kommende Saison eine zweistellige Toranzahl garantiert und wäre als Publikumsliebling der unumstrittene Kopf des Teams gewesen. Die Fitness schien auch kein Problem gewesen zu sein. In 22 von 24 Spielen stand Rangelov vergangene Saison in der Startelf. Weil er zudem in Cottbus wohnt und sich eine berufliche Zukunft beim FCE erhofft, dürfte er auch nicht finanziell aufs Ganze gegangen sein.
Abt und König haben sich dennoch bewusst gegen ihn entschieden. Das ist ihr gutes Recht, dafür wurde ihnen vom Verein das Vertrauen geschenkt. Es ist konsequent, dass das Präsidium dem Duo auch in der „bedeutendsten Personalie des Sommers“ vertraut. Die Vision 2022 mit jungen talentierten aber auch erfahrenen Spielern unterhalb der dreißig Jahre umsetzen zu wollen, wie Sportchef König begründete, klingt ja auch verheißungsvoll.
Bis 2022 möchte der Verein eine Basis schaffen, um sich im Profifußball etablieren zu können.  Dabei wie angekündigt „modernen, attraktiven und aufopferungsvollen Fußball“ bieten zu wollen, ist ein Plan, den wohl jeder Energie-Fan mitgehen kann. Daran müssen sich Sebastian König und Sebastian Abt künftig aber auch messen lassen.