Industrie ist nicht nur ein Faktor für Wirtschaft und Arbeit. Es ist auch ein Lebensgefühl. Die Lausitz sieht sich als Industrieregion. Mit einem Stolz, der aus einer Zeit kommt, als Industrie für Fortschritt und gutes Leben stand. So einfach ist das nicht mehr, das haben die Jahre nach der Wende gezeigt. Orte, die nur auf eine Fabrik gesetzt haben, sind nach deren Ende ins Abseits geraten. Ansiedlungen von großen Konzernen mit gut klingenden Namen haben nicht immer die Sicherheit gebracht, in die so viel Fördergeld investiert wurde. Studien zufolge werden in den nächsten Jahren viele Industriearbeitsplätze verloren gehen - auch in der Lausitz.

Man kann das beweinen, muss man aber nicht. Die Industrie ist nicht das Ende der Wirtschaftsgeschichte. Auch dafür liefert die Lausitz Belege. Es gibt hier Ecken, die nie in den Genuss von Kohle, Glas oder Stahl gekommen sind. Hier machen heute kleine Handwerksbetriebe gute Geschäfte. Diese Keimzellen zu stärken, das würde helfen, mit dem Straucheln der Großen umzugehen.

Industrie ist der Standard, hinter den keine Region zurück will. Vor ihr war die Landwirtschaft. Was danach kommen kann, lässt sich schwer absehen. Man weiß nicht, ob es besser wird oder schlechter. Es ist die gleiche Ungewissheit, aus der in früherer Zeit Industrie überhaupt erst entstanden ist. Man nennt das Chance.

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