Wer hätte das erwartet. Viele Jahre lang waren Schulabgänger in der Lausitz vor allem Bittsteller. Wer einen Ausbildungsplatz haben wollte, brauchte neben guten Noten oft Glück und manchmal auch Vitamin B. Inzwischen ist die Situation eine ganz andere. Die „Bittsteller“ sitzen heute eher auf der anderen Seite des Schreibtisches. Firmenchefs und Personalleiter müssen sich mit Kreativität um Nachwuchs kräftig bemühen.

Es ist eine gute Zeit für junge Menschen, die sich emanzipieren und etwas erreichen wollen. Das gilt inzwischen unbedingt und uneingeschränkt auch wieder in Südbrandenburg und Ostsachsen. Das beweist die aktuelle Lage allein beim Lausitzer Handwerk, wo in den kommenden Jahren an die 2000 neue Unternehmer und Meister gebraucht werden. Wer ungefähr eine Ahnung davon hat, was ihm liegt und was er will, kann sich ausprobieren und richtig durchstarten.

Neu kalkulieren müssen angesichts der veränderten Lage auf dem Arbeitsmarkt aber auch manche Unternehmer. Bürokratieabbau zu fordern und die Senkung der Steuerlast bei der Regierung in Berlin anzumahnen, ist richtig, aber nur die eine Seite. Wer bei solider Auftragslage seiner Belegschaft noch dazu mit viel unternehmerischer Kreativität in Bezug auf Fahrzeiten beispielsweise grundsätzlich nicht mehr als einen branchenbezogenen Mindestlohn zugestehen will oder kann, wird mittelfristig keinen Nachwuchs mehr finden und sich so langfristig selbst aus dem Markt nehmen. jan.siegel@lr-online.de