Seit dem 1. März gilt das neue Masernschutzgesetz. Künftig müssen Kita-Kinder, Schüler, Klinikpersonal, Erzieher und Lehrer gegen Masern geimpft sein. Weltweit sind 2018 140 000 Menschen daran gestorben. Umso wichtiger ist es, dass die Menschen, wenn nötig per Gesetz, zur Impfung verpflichtet werden. Es liegt in der Verantwortung einer Gesellschaft, die zu schützen, die sich selbst nicht schützen können. In diesem Fall Säuglinge und Menschen, die die Impfung aufgrund einer Kontraindikation nicht erhalten dürfen.

Leider ist die Umsetzung des Masernschutzgesetzes wenig durchdacht. Kinder, die bereits zur Schule gehen oder betreut werden, haben noch eineinhalb Jahre für die Impfung Zeit. Bis dahin können sie weiter als potenzieller Überträger der Krankheit fungieren. Und wenn es sich um ungeimpfte Schüler handelt, dann steht die Schulpflicht ohnehin über der Impfpflicht. Ernsthafte Konsequenzen haben ihre Eltern nicht zu erwarten.

Auch in den Schulen selbst scheint man noch nicht recht zu wissen, wie genau das neue Gesetz zu handhaben ist. Staatliche Schulen wiegeln ab und verweisen ans Staatliche Schulamt. Selbst das wiederum möchte sich nicht äußern und reicht den Staffelstab an das zuständige Ministerium weiter. Nicht nur bei Eltern ist die Verunsicherung also spürbar. Auch bei den richtungsweisenden Instanzen bekommt man den Eindruck, dass niemand eine Ahnung hat, wie das Gesetz in die Praxis umzusetzen ist. Eine traurige Bilanz. Gerade diese sollten der breiten Masse doch Orientierung geben.

Senftenberg/Görlitz/Hoyerswerda