Dreißig Jahre nach der Friedlichen Revolution in der DDR ist es zur Selbstverständlichkeit geworden, dass es hier Rede-, Presse- und Versammlungsfreiheit gibt, dass sich Menschen selbstständig nach ihren Interessen, politischen Neigungen oder auch religiösen Vorstellungen organisieren und ihr Leben entsprechend gestalten können – solange sie sich auf dem Boden des Grundgesetzes bewegen.

Welchen Preis eine Gesellschaft bezahlt, wenn sie versucht, all ihren Bürgerinnen und Bürgern das Denken und Handeln vorzuschreiben, hat die Geschichte der DDR gezeigt. Da sollte ein ausufernder Repressions- und Überwachungsapparat für Stabilität sorgen, die zur Stagnation wurde. Ein Apparat, der selbst Gutwillige abstieß und zu dem politischen System auf Distanz gehen ließ. Wer das nicht selbst erlebt hat, kann die oft sehr unterschwelligen Methoden der Überwachung wohl kaum nachvollziehen. Deshalb ist es wichtig, dass Menschen wie Ingrid Ebert von ihren Erfahrungen berichten. Denn einen alkoholkranken Mann bei einer Kirchengemeinde um Hilfe bitten zu lassen und diesen so getarnt als IM einzuschleusen, ist schon ein perfides „Meisterstück“ der Staatssicherheit.

Aber es gibt auch eine zweite Lehre. Das eigentliche Ziel, die Gemeindearbeit nachhaltig zu sabotieren, gelang nämlich nicht. Zum einen, weil sich ernste gesellschaftliche Probleme nicht mit Spitzeln aus der Welt schaffen lassen. Zum anderen, weil es immer wieder Menschen gab, die sich trotz aller Drohungen nicht davon abhalten ließen, das zu tun, was sie für richtig hielten.