Privatleute, kleine und mittelständische Unternehmen in der Lausitz bereiten sich seit Jahren auf den Strukturwandel und die damit verbundene Energiewende vor. Das erfordert Anstrengungen und oft auch hohen finanziellen Einsatz. Jetzt wird die Region zusätzlich durch die Folgen der Corona-Pandemie gebeutelt, viele Menschen stehen vor dem wirtschaftlichen Ruin.

Es wäre niemandem zu vermitteln, wenn ausgerechnet jetzt diejenigen zur Kasse gebeten werden, die seit Jahren zum Gelingen der Energiewende beitragen. Betreiber mittelgroßer Solaranlagen haben über Jahren hinweg Strom ins öffentliche Netz eingespeist. Diese Leistung soll nach einem Urteil des Bundesgerichtshofes plötzlich nichts mehr wert sein – nur, weil ihre Anlagen in einem kleinen technischen Detail nicht den gesetzlichen Bestimmungen entsprechen.

Ist der mit diesen Anlagen produzierte Strom dadurch weniger wert? Hat er die Netze zusammenbreche n lassen? Ist irgendjemandem ein Schaden entstanden? Nein.

Und trotzdem könnte es sein, dass den Solarbetreibern in der Lausitz riesige Rückzahlungsforderungen ins Haus stehen.

Allein im Kundenstamm der Cottbuser Stadtwerketochter EVC sind offenbar einige Dutzend Anlagen unterschiedlicher Größe betroffen, teilt das Unternehmen mit. Man sei mit den Betroffenen im Gespräch und habe angeboten, die erforderlichen Umrüstungen vorzunehmen – wegen der großen Nachfrage allerdings frühestens im Juli. Den Betreibern entgehen so schon jetzt monatlich mehrere Tausend Euro an Einnahmen. Rückzahlungsforderungen würden sie endgültig in die Knie zwingen – und die Akzeptanz für die Energiewende in der Lausitz gleich mit.