In den Bahnhof Doberlug-Kirchhain muss modernes Leben einziehen, will er seine einstige Bedeutung als Umsteige- und Kreuzungsbahnhof wiedererlangen. Und das sowohl auf der Schiene, im Service und in der Aufenthaltsqualität. Damit Reisen von, nach und über Doberlug-Kirchhain Vergnügen bereitet und nicht wie eine Geschichtsreise anmutet.

2013 hat die Stadt das Gebäude ersteigert, um es nicht dem weiteren Verfall preiszugeben. Außer ein paar Schönheitskorrekturen ist seitdem nicht viel passiert. Ausgebremst wurde weiteres durch das eigene Stadtsäckel und andere Prioritäten und nicht zuletzt durch die Deutsche Bahn und deren Baupläne.

Fahrkartenverkauf, Touristinformation und Fahrradverleih hier wieder oder neu zu etablieren, ist ein längst überfälliger Schritt. Für ein gemütliches Reisecafé mit freiem WLAN, Übernachtungsmöglichkeiten und vielleicht Veranstaltungsangeboten auf einer Kleinkunstbühne braucht die Stadt freilich Partner. Ob Co-Working-Arbeitsplätze – momentan so was wie der rettende Anker für leere Immobilien – funktionieren, muss geprüft werden. Gut ist, dass im nächsten Jahr endlich was passieren soll, auch wenn es erst mal eine Zwischenlösung wird. Bis störende oder nicht mehr notwendige Anbauten verschwinden, um dem Reisenden kurze, direkte Wege zum Zug zu bieten, braucht es noch Geduld.

Es war klar, mit einem Fingerschnipps kann das Bahnhofsgebäude nicht wieder aufleben. David und Goliath, die Stadt und die Deutsche Bahn, nicht aneinander vorbei planen. Die Ziele sind klar: Die einen wollen einen Schandfleck beseitigen, die anderen Reisende in ihre Züge locken.