Cottbus wird beim Betrachten der Kriminalitätstsatistik in diesem Jahr Grund zur Sorge geben. Das ist bereits jetzt absehbar. Nach zwei Jahren ohne Mord und Totschlag werden in diesem Jahr mindestens zwei Fälle in dieser Rubrik auftauchen. Noch nicht absehbar ist, wo sich die jüngste Tat aus der vergangenen Woche einordnen lässt.
Ein Pakistaner hat einem Jugendlichen scheinbar willkürlich in den Rücken gestochen und ihn so schwer verletzt. Die Staatsanwaltschaft hat einen Haftbefel wegen versuchten Mordes erwirkt.
Der Fall passt einigen Menschen in diesem Land augenscheinlich in ihr vorgefertigtes Weltbild. Das zumindest legen Wortmeldungen aus der AfD und rassistisch motivierten Kreisen nahe. Dass das Tatmotiv – trotz anders lautender Falschmeldungen – noch nicht öffentlich bekannt ist, stört diese Kommentatoren offensichtlich nicht.
Für sie ist klar: Mörder, das sind Menschen aus anderen Kulturkreisen. „Die werden doch schon mit dem Messer in der Hand geboren“ oder „Das sind tickende Zeitbomben“, grunzt der Stammtisch – und irrt mal wieder. Der Blick in die Statistiken zeigt: Mörder und Gewalttäter, das sind in diesem Land zum großen Teil Deutsche.
Denn es gibt eben keine genetischen, religiösen oder kulturellen Faktoren, die einen Menschen zum Mörder machen. Es sind Umstände, manchmal Fehlentwicklungen, aber in jedem Fall individuelle Merkmale. Den typischen Mörder, den gibt es nicht. Es kann der Arzt ebenso sein wie der Hartz IV-Empfänger, der Pakistaner wie der Deutsche, der Mann ebenso wie die Frau. Nur lässt sich das am Stammtisch nicht so gut grunzen.
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