Eigentlich sollten die Masern längst ausgerottet sein – und sie könnten es auch sein, wenn alle Kinder dagegen geimpft wären. Aber dem ist nicht so: Eine lebensgefährliche Krankheit kehrt zurück, die Fallzahlen steigen wieder. Auch, weil eine zeitgeistige, auf Naturheilkräfte schwörende Einstellung das Misstrauen gegen wissenschaftlich fundierte Medizin hat wachsen lassen.

Es ist deshalb gut, wenn nun auch der Bund über einen Vorstoß zur Einführung einer Masern-Impfpflicht nachdenkt. Die Länder sind in der Meinungsbildung zum Teil schon weiter. Gerade erst hat der Landtag in Brandenburg einen entsprechenden Beschluss gefasst. Der Druck wächst, weil auch die Gefahren zunehmen. So zählt die Weltgesundheitsbehörde die mangelnde Impfbereitschaft zu den zehn größten Bedrohungen der globalen Gesundheit. Und es ist schon merkwürdig, wenn wir afrikanische Staaten wegen Fortschritten im Gesundheitswesen loben, uns selbst aber Laxheiten erlauben, die die eigenen Kinder und die Kinder anderer, mit denen sie in Kitas und Schulen in Kontakt treten, gefährden. Gerade die Fremdgefährdung ist ein Aspekt, der staatliches Handeln erzwingt.

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