Eine Studie zu Gewalt gegen Polizisten erachtet Bundesinnenminister Horst Seehofer als sinnvoll, weil er hierbei einen Trend erkennt. Für eine Untersuchung zu illegaler Polizeigewalt fehlt der politische Wille hingegen ebenso wie für die viel geforderte Untersuchung zu Rassismus bei der Polizei. Schade. Denn notwendig ist ein allumfassendes Bild, das das ganze Spektrum der Problematik zeigt.
Dass Deutschland etwa ein Problem mit rechtswidriger Polizeigewalt hat, lässt sich nicht wegreden. Vielmehr stellt sich in Zeiten, in denen im Netz immer wieder privat gedrehte Videos von fragwürdigen Einsätzen auftauchen, die Frage, wie groß dieses Problem tatsächlich ist. In einer ersten – leider nicht repräsentativen – Studie zur Thematik schließen Bochumer Wissenschaftler darauf, dass die amtlichen Zahlen nur die Spitze des Eisbergs widerspiegeln. Demnach landen rund 80 Prozent (!) der Fälle in keiner Statistik, weil Opfer die Täter gar nicht erst anzeigen. Der Hauptgrund dafür wirft kein gutes Licht auf unseren Rechtsstaat. Eine Anzeige hätte nichts gebracht, weil Polizisten ohnehin keine Folgen zu befürchten hätten, sagte ein Großteil der Befragten.
Diese erste Untersuchung zu Polizeigewalt liefert erstaunlich viele Gründe, endlich auch eine belastbare Studie dazu auf den Weg zu bringen. Es soll nicht darum gehen, Beamte unter Generalverdacht zu stellen, oder um Vorverurteilungen generell, sondern darum, Transparenz in die Diskussion zu bringen und die richtigen Schritte aufzuzeigen.