Beim Kohleausstieg und dem damit dringend notwendigen wirtschaftlichen Umbau  einer Region, in der die Braunkohle eben immer noch das industrielle Rückgrat bildet, gehen die Interessen sehr weit auseinander. Das ist keine neue Erkenntnis. Aber jetzt wird sie wieder schmerzhaft sichtbar. Den Umweltverbänden und ihren Anhängern geht der Ausstieg viel zu langsam.

Aber sie sind nicht die Einzigen. Auch die Menschen in der Lausitz verlieren die Geduld beim nervigen, nicht enden wollenden Warten auf einen Startschuss für den Strukturwandel. Den sollen zwei grundlegende Gesetze geben. Aber um die wird seit Monaten in Berlin gepokert. Vorige Woche schien in Bezug auf Kohleausstiegs- und Strukturstärkungsgesetz „Land in Sicht!“

Da war längst auch für die Lausitz nicht alles gut. Die Forderungen dort reichen viel weiter. Aber Kompromiss ist eben Kompromiss.

Wer die Übereinkünfte aus dem Kanzleramt aber rundweg ablehnt und jetzt trotzdem einen radikalen Ausstieg ohne Netz und Sicherungsleine fordert, nach der Methode „Augen zu und durch!“, der nimmt in Kauf, dass er die Menschen in der Lausitz verliert.

Wesentliche Teile ihrer ökonomischen Existenz würden halt relativ emotionslos schlichtweg dem zugegeben ganz großen Ziel der Rettung des Weltklimas geopfert. Das fordert sich umso leichter, je weiter weg vom Kohlerevier entfernt man die kompromisslose Attacke auf dem hohen Ross der moralischen Überlegenheit reitet.

  jan.siegel@lr-online.de