Die Quotientenregelung zur Ermittlung des Tabellenstandes sorgt derzeit für heiße Diskussionen in der Fußball-Regionalliga Nordost. In der Tat lässt sich trefflich darüber streiten, ob es gerecht ist, im Falle eines Saisonabbruchs wegen der Corona-Pandemie die Anzahl der Punkte durch die Anzahl der absolvierten Spiele zu teilen und damit für eine „Mathe-Olympiade“ zu sorgen. So hat es zumindest Ex-Profi Torsten Mattuschka süffisant formuliert.
Für die Quotientenregelung spricht: Man bekommt auf diesem mathematischen Weg zumindest überhaupt ein Endklassement hin. Dagegen spricht: Der Spielplan – also, zu welchem Zeitpunkt treffe ich als Verein auf ein Spitzenteam, wann auf ein Team aus der unteren Tabellenhälfte – bleibt völlig außen vor.
Noch viel fragwürdiger als die Quotientenregelung als solche ist jedoch die Abstimmung über diese Quotientenregelung, die der Nordostdeutsche Fußball-Landesverband (NOFV) am Dienstag unter den Regionalliga-Vereinen durchgeführt hat. Die Vereine sollten dabei ihre Meinung abgeben, ob sie für einen Saisonabbruch sind oder nicht. Und, ob sie im Falle des Abbruchs für die Anwendung der Quotientenregelung sind.
Dass der NOFV für diesen Fall in Aussicht gestellt hat, dass es keine Absteiger geben wird, führt diese Abstimmung praktisch ad absurdum. Weil speziell die Vereine aus der unteren Hälfte – natürlich – bereitwillig zustimmen, da sie ja damit in jedem Fall dem Abstieg entgehen. Sie hätten vermutlich auch zugestimmt, wenn es nach der durchschnittlichen Schuhgröße aller Spieler gegangen wäre. Und da auch die Vereine aus dem Mittelfeld sowieso nicht mehr spielen wollen, war eine Mehrheit vorprogrammiert.
Die Absurdität dieser Abstimmung lässt sich übrigens auf jede andere Liga übertragen. Leidtragende sind immer jene Vereine im oberen Bereich der Tabelle, die sich noch Chancen auf den Aufstieg ausrechnen. Es ist also kein Wunder, dass Energie Cottbus die Quotientenregelung mit aller Macht verhindern will. Aus Sicht der beiden Clubs ist das genauso legitim wie die Zustimmung der Clubs aus der unteren Tabellenhälfte zur Quotientenregelung, um damit für sich den Klassenerhalt zu sichern. Ja, es ist absolut legitim, dass die Clubs zuerst an ihre eigenen Interessen denken.
Umso wichtiger ist es, dass der NOFV jetzt eine Lösung findet, die diese verschiedenen Interessen gleichermaßen berücksichtigt – oben und unten in der Tabelle. Zum Beispiel durch ein Viererturnier zur Ermittlung des Meisters. Eine fragwürdige Abstimmung mit vorhersehbarem Ausgang wie am Dienstag stellt ganz sicher keine gute Lösung dar.