Um die Rolle der Türkei in der Flüchtlingspolitik zu verstehen, reicht ein Blick auf die Landkarte: Syrien, der Irak und der Iran grenzen an die Türkei, und die Türkei ihrerseits grenzt an die EU-Staaten Griechenland und Bulgarien. Dorthin wollen die Menschen, die als Kriegsflüchtlinge und Armutsmigranten aus den östlichen Nachbarländern in die Türkei strömen. Das Wort „Schleusenwärter“ beschreibt die Rolle des türkischen Staatschefs Recep Tayyip Erdogan anschaulich. In der Ägäis verläuft eine Außengrenze der EU. Aber sichern kann diese Grenze nur die Türkei. Erdogan sitzt also am längeren Hebel.

Dass Erdogan den Schleusern freie Hand lässt, um seinen Forderungen Nachdruck zu verleihen, ist sicherlich nicht zu weit hergeholt. Nüchtern betrachtet haben die Europäer keine andere Wahl, als auf Erdogans Erpressung einzugehen. Griechenland mit dem Problem allein zu lassen, ist keine Option.

Wenn jetzt Hunderttausende Migranten über die Ägäis kommen, würde das nach der schweren Krise gerade erst einigermaßen stabilisierte Land ins Chaos abstürzen. Letztlich müssten die europäischen Länder, wie 2015, den Flüchtlingen die Grenzen öffnen. Weitere Milliarden für Erdogan sind da am Ende wohl die billigere Lösung.

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