Die Lausitzer sind keine Miesepeter. Klar, die Art der Menschen in der in weiten Landstrichen dünnbesiedelten Region ist auf den ersten Blick jetzt nicht auf Anhieb das, was man so landläufig als fröhliche Frohnatur bezeichnen würde. Aber auch solche Lausitzer finden sich zur Genüge zwischen Görlitz, Lübben und Finsterwalde.
Tatsache aber ist auch, dass das Land Brandenburg insgesamt im gesamtdeutschen „Glücksatlas“, der seit Jahren im Auftrag der Deutschen Post erstellt wird, inzwischen mit trauriger Regelmäßigkeit den letzten Platz einnimmt.
Sind die Menschen also auch speziell in der Lausitz einfach grundlos unzufriedener als in anderen Gegenden? Alles Quatsch!
Wer sich intensiver mit den Antworten beschäftigt, die eine repräsentativen Umfrage zur Lebenszufriedenheit herausgefunden hat, sieht genau, wo die Sorgen der Lausitzer liegen.
Es sind Tendenzen von Vereinsamung und ja, es ist auch manchmal der schnöde Mammon. Wer 30 Jahre nach dem Fall Mauer beispielsweise in einem Pflegeberuf für seine Arbeit strukturell und signifikant schlechter bezahlt wird als seine Kollegen in „glücklicheren Landstrichen“, der schiebt Frust und denkt – durchaus verständlich – über Veränderungen nach.
Und vor Glück jubeln wird auch nicht, wer nach einem langen Berufsleben fern von Kindern und Enkel in der Lausitzer Provinz hockt, aus der sich seit mehr als zwei Jahrzehnten alljährlich die Jugend ohne absehbare berufliche Rückkehr-Perspektive verabschiedet. Nur wer anerkannt ist und sich gebraucht fühlt, der fühlt sich auch wohl. jan.siegel@lr-online.de