In Leipzig hat die SPD ihre Mehrheit verloren. Das ist eine Zäsur in der Stadtgeschichte. Nach 30 Jahren unangefochtener Herrschaft rutschen die Sozialdemokraten nach der ersten Runde der OB-Wahl am Sonntag auf den zweiten Platz.

Es mag daran gelegen haben, dass die CDU das Thema Linksextremismus im Wahlkampf nach vorn gespielt hat, wie einige jetzt unken. Aber das lenkt vom Augenfälligen nur ab: Die SPD verliert ihre Macht in den Rathäusern der Metropolen.

Städte mit junger und gebildeter Bevölkerung hatten bislang fast automatisch ein Stadtoberhaupt der SPD. Das gilt für Berlin, München und Frankfurt ebenso wie für Potsdam und lange auch Cottbus.

Doch die SPD kann nicht länger die progressive Mehrheit in diesen Städten binden. Das zeigt sich in Leipzig, wo die Linken stark sind und die Grünen über die Jahre zu einer ernst zu nehmenden Konkurrenz angewachsen. Das progressive Lager spaltet sich auf. Davon hat der CDU-Kandidat Sebastian Gemkow profitiert. Amtsinhaber Burkhard Jung konnte trotz seiner 14 Jahre Erfahrung nicht punkten. Für die sächsischen Genossen ist das Desaster. Sie können nach einer Landtagswahl mit unter acht Prozent bald auch noch ihr Kronjuwel Leipzig vergessen.

Wenn es denn so kommt. Leipzig bleibt eine Stadt mit linker bis linksliberaler Mehrheit. CDU-Kandidat Gemkow feiert noch verhalten. Für den zweiten Wahlgang am 1. März hat er wenig zuzusetzen. Ob er gewinnt, hängt von den Grünen ab, die ihm die nötigen Prozente beisteuern können. Dass sie das auch wollen, ist indes kaum wahrscheinlich.