In der Platte will niemand mehr leben. Diese Erkenntnis wird nicht allen gefallen. 30 Jahre nach dem Ende der DDR zieht kaum noch jemand freiwillig in die einst privilegierten Neubauwohnungen. Vom Zuzug, über den sich inzwischen fast alle größeren Städte des Ostens wieder freuen können, profitieren die Großwohnsiedlungen nicht. Außer in Berlin, wo jeder Quadratmeter Wohnraum gebraucht wird, lassen Wohnungssuchende die Platte links liegen.

Das heißt zunächst Gutes: Wir wohnen alle zusammen besser. Doch für die Städte und die Eigentümer ist das bitter. Viel ist versucht worden, um den tristen Blöcken eine Perpektive zu geben. Nun wird immer klarer, dass diese Siedlungen soziale Probleme verschärfen. Sie sind nur noch Heimat für die, die schon immer dort leben – und die, die sich nichts Besseres leisten können. Ältere und sozial Schwache sind dort unter sich. Das verhindert, dass Menschen mit unterschiedlichen Lebensweisen sich aufeinander einlassen, dass sie Verständnis und Solidarität füreinander entwickeln. Die Politik sollte überlegen, ob sie weiter in die Platte investieren will – oder besser in den gut durchmischten Zentren Platz für Sozialwohnungen schafft.