Die Lausitz wird in den kommenden Tagen in den Fokus nicht nur der deutschen Öffentlichkeit geraten. Grund sind die bundesweit angekündigten Anti-Kohleproteste zahlreicher Gruppen. Der Protest ist absolut legitim, wenn er verhältnismäßig und vor allem gewaltfrei ist. Nebenbei: Bisher konnte mir noch niemand erklären, wie es dem Klima jetzt ganz genau hilft, wenn hunderte, vielleicht Tausende Kohlekritiker mit vielen Dutzend (Diesel)-Bussen aus Berlin, Leipzig und Dresden in die Lausitz fahren? Aber das ist angesichts der Größe der Aufgabe vielleicht auch schon wieder irgendwie egal.

Am Ende ist es doch vor allem die Ungeduld, die die Menschen – darunter viele junge – auf die Beine bringt. Ungeduldig sind Klimaaktivisten weil die Bundesregierung in Sachen CO2-Reduzierung so zögerlich agiert und den Ausstoß auch in Verkehr, Industrie und Landwirtschaft nicht konsequenter bekämpft.

Genauso ungeduldig sind aber auch die Menschen in der Lausitz – unter ihnen viele Bergleute – weil es faktisch seit Monaten nicht richtig vorwärts geht bei den Gesetzen für einen geordneten Kohleausstieg und den damit verbundenen für sie so wichtigen Schritten zum wirtschaftlichen Strukturwandel in ihrer Heimat.

Gut wäre, wenn sich die Ungeduldigen zusammentäten. Die Lausitz braucht keine verhärteten Fronten, sondern viele Mitstreiter.

Die Umweltgruppen – so haben sie es angekündigt – wollen in der Lausitz die „Orte der Zerstörung“ ansteuern und mit „zivilem Ungehorsam“ Kohle-Infrastruktur blockieren.

Nun liegen Tagebaue und große Teile der Verstromungs-Infrastruktur meist ziemlich weit im Nirgendwo. Die Demonstranten müssen daher vor allem auf die Macht der Bilder setzen, wenn ihr Protest wahrgenommen werden soll und sie nicht nur einsam fröstelnd im feinsandigen Lausitzer Niemandsland stehen wollen.

Es sind deshalb die Fotos, Twitter-, Facebook-, Instagram-, Whats-App- und Telegramm-Nachrichten die zu Tausenden aus der Lausitz in die Welt gehen und dort geteilt werden. Die Bilder sind es, die den Protest für die meisten Menschen überhaupt erst sichtbar machen.

Jeder, der sich am Wochenende an Protestaktionen beteiligt – egal übrigens auf welcher Seite – muss wissen, dass auch er diese Bilder mit produziert. Kaum etwas würde dem Image der Region im Wandel mehr schaden als Bilder der Zerstörung oder der Gewalt. Zurückhaltung ist daher oft der bessere Ratgeber.

Die Lausitz braucht keine hässlichen Bilder. Sie braucht streitbare Verbündete auf ihrem Weg in die Zukunft. Das hilft dem Klima und den Menschen in der Region.