Der ehemalige Bundespräsident Roman Herzog hat in einer Rede 1998 gesagt, dass keine Gemeinschaft, keine Gesellschaft, auch kein Staat ohne Gedächtnis und ohne Erinnerung leben kann. Denn ohne Erinnerung zu leben bedeute ja, ohne Identität und damit ohne Orientierung zu leben. Roman Herzog bezog sich in seiner Rede konkret auf die Erinnerung an die Zerstörung der Synagogen in Deutschland zur sogenannten „Reichskristallnacht“.

Doch wenn die Erinnerung, einer Gesellschaft Identität und Orientierung gebe soll, muss sie die – durchaus wichtige – Sphäre der staatstragenden Reden von Präsidenten verlassen und ihren Platz im Alltag der Menschen finden. Dazu gehört der Bezug zu ihrem eigenen Lebensumfeld, ihrer engeren Heimat, ihren eigenen Familiengeschichten und persönlichen Erfahrungen.

Genau das ist das Feld der Heimatforscher und Lokalhistoriker. Sie sind es, die in meist ehrenamtlicher und zeitaufwändiger Arbeit, die „große Geschichte“ auf die „kleine“ vor Ort herunterbrechen, sie damit für die Menschen konkret nachvollziehbar machen und so das „Gedächtnis“ wach halten. Dabei muss in keiner Ortschronik eine umfassende Theorie von der Historie als Ganzes entwickelt werden. Vielmehr spiegelt sich in den kleinen Erzählungen die Weltgeschichte häufig in sehr eigenwilliger und berührender Form wider. So wie in dem von Frank Henschel für das Forster Jahrbuch aufgeschriebenem Schicksal eines Mädchen, das durch Krieg und Vertreibung von seiner Familie getrennt und allein nach Forst verschlagen wurde.