In Leipzig sah man das Problem mit den Autonomen lange Zeit relativ locker. Was wäre man denn bitte für eine Szenemetropole, wenn nicht ab und an Mülltonnen brennen würden? Leipzig sieht sich eher in einer Liga mit Berlin/London/New York. Sich über fliegende Pflastersteine aufzuregen, passt da schlecht. Das wäre eher wie Bielefeld/Heilbronn/Ulm. Man nahm das als etwas, das dazu gehört.

Das dürfte jetzt vorbei sein. Die autonome Szene hat am vergangenen Sonnabend ihr Spiel überreizt. Sicher auch im Vertrauen darauf, dass die Bevölkerung ihr Treiben schon irgendwie richtig findet.

Leipzig ist eine Stadt mit einer linken Mehrheit. Von den Grünen über die Linken bis hin zu den versprengten Resten der Piraten gibt es einen Konsens darüber, dass das Wachstum der Stadt seine Schattenseiten hat. Es wird eng in den Vierteln, die besonders beliebt sind. Wo gestern noch Bruchbuden zum Feiern einluden, wachsen morgen Wohnkomplexe in strahlendem Weiß. Je weiter links, desto lauter wird die Klage über eine vermeintliche Gentrifizierung, die es Menschen mit wenig Geld immer schwerer mache, in ihren Kiezen wohnen zu bleiben.

Aus dieser Gemengelage ergibt sich ein Lebensgefühl, dass es den Linksausläufern immer leicht gemacht hat, Sympathie für ihre Taten zu bekommen. Jedenfalls solange es nur um brennende Bagger ging. Wenn aber Immobilienmaklerinnen vor der eigenen Haustür verprügelt und die Autos Unbeteiligter zerlegt werden, klatscht keiner mehr Beifall.

Oberbürgermeisterwahl in Leipzig Zeitenwende in der Boom-Metropole

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