Es gab sie durchaus, diese zarten Pflänzchen der Hoffnung. Da wurde im Vorfeld des Aktionswochenendes von „Ende Gelände“ tatsächlich miteinander gesprochen. An den Werkstoren und in den Tagebauen kam es während der Besetzungen zu fairen Debatten zwischen Befürwortern und Gegnern des Kohleabbaus. Chancen des Dialogs taten sich auf, man war bereit, sich zuzuhören.

Beim abendlichen Blick in die Kommentarspalten in den Sozialen Medien waren die zarten Hoffnungspflanzen schnell wieder verdorrt. Eine Welle von Hass und Häme ergoss sich dort. Stimmen aus dem Lausitzer Revier wie auch aus allen Teilen des Landes kommentierten das Handeln der Klima-Aktivisten mit Verachtung. Man müsse den Besetzern den Strom abdrehen, sie in die Grube schubsen, sie in den Knast stecken oder am liebsten gleich irgendwie komplett loswerden.

Vielleicht aber würde es lohnen, einfach mal den Gedanken zuzulassen, dass die Aktivisten von „Ende Gelände“ nicht nur zum Spaß mehrere Stunden bei ungemütlichen Temperaturen in den Tagebauen ausgeharrt haben. Dass es ihnen tatsächlich um das Klima geht und um eine lebenswerte Zukunft. Ob sie dafür den richtigen Weg gewählt haben, darüber lässt sich streiten. Die juristische Bewertung der Blockaden und mögliche Schadenersatzforderungen der Leag werden die Gerichte beschäftigen.

Bis dahin sollten auch die Kohlegegner die Chance nutzen, mit den Menschen in der Lausitz über ihre Sorgen zu sprechen. Über die Angst vor dem Jobverlust, vor den Risiken der Energiewende, vor Veränderungen.

Von zahlreichen Leag-Mitarbeitern ist inzwischen zu hören: „Wir tragen den Kohlekompromiss und den Ausstieg 2038 mit.“ Dieser Satz wäre noch vor einigen Jahren undenkbar gewesen. Er beweist, wie viel Zuhören, Nachdenken und Bewegung in den Köpfen möglich war und ist. Darauf ließe sich aufbauen. Wenn nicht jedes zarte Hoffnungspflänzchen von gegenseitiger Häme zertrampelt wird.