Wer ein Kind erwartet, der ist heute gut beraten, praktisch unmittelbar nach der erfolgreichen Befruchtung möglichst prompt auf die Suche zu gehen, nicht nur nach einer versierten Hebamme, sondern auch nach einer Kinderarzt-Praxis in der Nähe und in manchen Landesteilen auch schon nach einem Kita-Platz für den ungeborenen Spross.
Da muss es besonders alarmieren, wenn in diesem Sommer immer öfter „Hilferufe“ aus Lausitzer Kinderarzt-Praxen zu hören sind. Die da rufen, sind nicht kleine Patienten mit Weißkittelsyndrom oder Spritzenphobie, sondern die Ärzte selbst. Statt kranke Kinder zu behandeln, sollen sie immer mehr Nachweise ausfertigen, um den Masernschutz oder die Gesundheit von gesunden Kindern zu bestätigen. Was für ein Unsinn!
Ja, es liegt ein bisschen auch in der Natur unseres Rechtsstaates, dass inzwischen auch in vielen Kindereinrichtungen und Schulen eine starre 100-Prozent-Absicherungsmentalität eingezogen ist. Denn in allen Bereichen gibt es Apparate, die hinterher schlau feststellen: „Warum haben Sie nicht? Sie hätten doch... Wer ist dafür verantwortlich?
Trotz allem darf uns im Alltag auch das Augenmaß nicht ganz verloren gehen. Mit ein bisschen gegenseitigem Verständnis denken sich Schulämter nicht immerzu neue Formulare für Kinderärzte aus. Und gehen Kita-Leiterinnen mit ihrer Lebenserfahrung flexibel an die Vorgaben nach ärztlichen Gesundschreibungen. Gerade dabei hat der Freistaat Sachsen inzwischen eine intelligente Lösung gefunden. Da lohnt sich der Blick aus Brandenburg zum Nachbarn. jan.siegel@lr-online.de