Die Zahl von 166 000 Sorben hatte der Oberlausitzer Volkskundler Arnost Muka in den 1880er-Jahren ermittelt. Heute gibt es noch rund 60 000 Angehörige, davon keine 20 000 mehr in der Niederlausitz. Mit Abstand sind die Sorben/Wenden das kleinste slawische Volk.
Und jetzt wird das böse Wort der Spaltung ins Spiel gebracht. Denn neben der Domowina, deren Gründungstag sich im Oktober zum 108. Mal jährt, hat sich im November 2018 der Serbski Sejm, das selbsternannte Parlament der Sorben/Wenden, in Stellung gebracht. Beide Institutionen wollen in gutem Glauben die Interessen der Lausitzer Sorben vertreten, für Rechte und Finanzmittel kämpfen. Das ist legitim und begrüßenswert.
Die Vorstellungen über das Wie gehen aber weit auseinander. Und überhaupt: Zwei Gremien für solch ein kleines Volk? Das immer wieder für seine Rechte und seine Finanzen eintreten muss. Dessen Sprache spürbar weiter schwindet, insbesondere in der Niederlausitz. Dessen Bild von der deutschen Mehrheitsbevölkerung fast ausschließlich über die farbenprächtige Folklore wahrgenommen wird. Und eben leider auch über die Streitlust.
Die Obersorben, die sich den Niedersorben/Wenden intellektuell überlegen fühlen. Die Niedersorben, die sich von Bautzen nichts vorschreiben lassen wollen. Dabei geht es um nichts Geringeres als um das perspektivische Überleben des ganzen Volkes. Ob dies gelingen wird, gilt keineswegs als sicher. Würde indes mit einer kräftigen Stimme gesprochen, wäre dies zumindest ein Schritt zur Einheit und zum Fortbestand der Sorben/Wenden. Deshalb: Bloß keine Spaltung!