Schön, groß und mit 18 Millionen Euro gar nicht mal so günstig – auf einer alten Industriebrache in Finsterwalde laufen die Bauarbeiten für den Bau der Stadthalle gerade so richtig an. In den nächsten Monaten soll eine moderne Kulturstätte mit 600 Sitz- und 1000 Stehplätzen entstehen.
Elf lange Jahre ist in der Sängerstadt um den Bau des Konzerthauses gestritten worden. Aus einem vormals 11-Millionen-Projekt ist in dieser Zeit zwischenzeitlich ein 19,6-Millionen-Euro-Gigant erwachsen. Das veranlasste Stadtoberhaupt Jörg Gampe (CDU) im Frühsommer 2018 zum Ziehen an der berühmten Reißleine. Das im gleichen Jahr auch als Fiasko bezeichnete Großprojekt im Herzen der Stadt spaltete sogar eine Parlaments-Fraktion und schien zu sterben.

Mehrkosten der Stadthalle sind Peanuts

Da liegt die Vermutung nahe, dass die Kritiker des Kulturtempels erneut laut werden, wenn die Stadt über Mehrkosten informiert. Das ist ihr gutes Recht und davon lebt eine Demokratie. Aber es ist noch viel zu früh, um womöglich sogar Parallelen zum Flughafen-Fiasko mit dem weltberühmten Kürzel BER zu ziehen.
300 000 Euro wird die Stadthalle teurer. Stand jetzt. Bei diesem Investitionsvolumen noch Peanuts. In einer Zahl: rund 1,67 Prozent. Die wird von der Stadt transparent dargestellt und begründet. Und mit dem Anzapfen eines weiteren Fördermitteltopfes womöglich sogar wieder auf einen Wert, der sich an die Null ankuschelt, gedrückt. Stand ziemlich bald.
In der Coronakrise nach einer Umverteilung des Geldes beispielsweise auf den arg gebeutelten Einzelhandel zu rufen, klingt erst mal richtig und so gar nicht doof. Ist es dann aber irgendwie doch, da ganze 70 Prozent der Kosten fest an Fördermittel gebunden sind, die bis Ende 2021 sichtbar verbaut werden müssen, weil sie sonst ganz einfach verpuffen.
Die Sängerstadtregion muss sich im kulturellen und künstlerischen Leben in der Lausitz und in Elbe-Elster nicht verstecken. Die Stadt ist ein lebendiges und vielfältiges Zentrum im Süden Brandenburgs.
Das zeigt auch der Premierenbesuch von Star-Pianist Justus Frantz vor wenigen Tagen in Finsterwalde. Er will wieder kommen, hat er gesagt. Zweifel sind berechtigt, aber es ist so gut wie sicher: Bei seinem nächsten Besuch kann er Ende 2021 auf dem BER landen. Zu hoffen bleibt, dass der dann 77-jährige Virtuose nach seiner Landung auf dem Milliardengrab bei bester Gesundheit ist und nicht in einem Finsterwalder Millionengrab auf seinem Steinway-Flügel spielt.