Wandern, Roden, Nutzpflanzen anbauen – der Mensch ist einfallsreich, wenn es darum geht sich die Natur zu Eigen zu machen. Man könnte auch sagen, der Mensch neigt zum Parasitismus. Er befällt zwar keine Lebewesen, dafür aber Ökosysteme. Es ist aber nicht so, dass die Natur wehrlos ist: Wer eine Informationstafel im Wald von Moosen, Flechten oder ähnlichem befreit, muss damit rechnen, dass er den Vorgang nach einem Jahr wiederholen kann. Weil die Natur nämlich wieder da ist.

Glücklich ist da, wer einen Kreiswanderwege-Wart hat. Er reinigt nicht nur Informationstafeln, sondern gräbt auch infolge von Fäulnis umgekippte Wegweiser in die Erde und ersetzt verloren gegangene Schilder. Das erfordert handwerkliches Geschick, Fingerspitzengefühl für die Natur und viel Zeit. Man könnte auch sagen Schlüsselqualifikationen wie Belastbarkeit und Flexibilität, die für gewöhnlich einiges kosten.

Ehrenamt hat viele Gesichter. Jedes davon hat seine eigenen Herausforderungen. Sei es das Vorlesen von Geschichten im Kindergarten, der Kassenwart im Sportverein oder der Spieleabend mit Senioren im Altenpflegeheim. In der Regel lässt es sich auch mit etwas verbinden was einem gefällt: glückliche Kinder, Rad oder Kanu fahren, Spiele spielen.

Und im Falle eines Kreiswanderwege-Warts: wandern. Wer aber mehrmals im Jahr eine Strecke abläuft, die weiter ist als eine Autofahrt zwischen Forst und Frankfurt (Oder), sollte dafür eigentlich auch mehr erhalten als sehr viel Dankbarkeit - damit ein Ehrenamt ein Dienst für die Gesellschaft bleibt und nicht eine schöne Bezeichnung für einen Job, der eigentlich bezahlt werden sollte.