Die Sorge um die bergmännischen Traditionen wurde in Spremberg sehr früh Teil der Debatte zum Strukturwandel. Dass die Stadtverordneten nun ihre Sitzungen mit dem Steigerlied beginnen, ist ein erstes Ergebnis. Bergbaudenkmale, wie sie Welzow und der Ortsteil Terpe haben, stehen auf der Wunschliste.

Auch für mich aus einem Kali- und Steinsalzabbaugebiet gehörten die bergmännischen Traditionen schon in der Kindheit ganz selbstverständlich dazu. Die ersten Strophen des Steigerliedes lernte ich als Schulkind, weil wir zu den Festveranstaltungen auftraten. Bergleute marschierten in den Stadtfestumzügen mit. Das Symbol aus Schlägel und Eisen hing auch an unserer Haustür. Die Geschichte der heiligen Barbara hörte ich im Studium, den Brauch mit den Kirschzweigen wage ich seither in jeder Adventszeit. Arschledersprünge nach dem Bergmannstrunk allerdings lernte ich erst hier in der Lausitz kennen.

Die Traditionen verbinden, schmieden zusammen. Wir besinnen uns gemeinsam auf Geschichte und Geschichten, auf eine schwere Arbeit, die viele Bergmänner mit ihrer Gesundheit und mit dem Leben bezahlten.

Nach und nach verbesserten sich die Arbeitsbedingungen der Bergleute, um ihren Lohn werden sie beneidet. In den Debatten um den Klimawandel jedoch fühlen sie sich jetzt oft angegriffen. Schließlich sorgen noch immer sie für einen Großteil des Stroms.

Aber alle, die sich vor wenigen Tagen nach dem Ledersprung in den Stand des Bergmannes heben ließen, begreifen die Energiewende sehr wohl. Sie werden dank solcher Traditionen nie vergessen, wofür ihre Vorfahren das Arschleder brauchten.