Nun hat der Bundestag die Wölfe zum Abschuss freigegeben. Bedingt. Wenn es nicht anders geht. Anderseits können so lange Wölfe eines Rudels erschossen werden, bis sie lernen, dass ihnen der Tod droht, wenn sie zu viel wirtschaftlichen Schaden anrichten. Bei Lernunwilligkeit steht am Ende die erneute Bestandsdezimierung in erheblichem Umfang.

Dabei ist erstaunlich, wie sehr der deutschen Politik plötzlich die Schafe ans Herz gewachsen sind. Erst als der Wolf die wehrlosen Wollspender zur Lieblingsspeise erkor, war das Interesse für das Herdentier da. Dass es den Schäfern auch ohne Wölfe nicht gut ging, schien früher nicht so interessant. Gelegentlich wird man den Eindruck nicht los, dass es eine Art Überidentifikation mit den Schafen gibt, obwohl die meisten von uns gegen Lammbraten nichts einzuwenden haben. Auch Politiker nicht.

Ein paar Hundert Wölfe haben es geschafft, einen Teil der Bevölkerung in Panik und Rage zu versetzen und einen anderen, meist in Großstädten wohnenden, in schiere Verzückung. Nicht auszudenken, wie die Stimmung sein wird, wenn erst der Bär wieder einwandert.